Model Schools 
                       Projekt Orissa / Indien
 
Schulen für arme Kinder von Adivasi, Kastenlosen und Kastenindern
 
Die Situation der ADIVASI

Gegenwärtig zählt die Bevölkerung Indiens weit über 1,2 Milliarden Menschen. Rassisch wie kulturell sind die Inder von großer Verschiedenheit. Diese Verschiedenartigkeit ist bedingt durch die besondere geographische Lage Indiens. Denn Indien ist eine Halbinsel, in die vom asiatischen Festland her sehr verschiedene Völkerschaften eingewandert sind. Unter diesen mehr als 1,2 Milliarden Einwohnern finden sich über ganz Indien in Rückzugsgebieten verstreut etwa 60 Millionen Menschen, die als die ältesten Siedler Indiens angesehen werden. Diese ältesten Bewohner Indiens, daher auch Urstämme oder ADIVASI genannt, wohnen hauptsächlich in den bergigen und bewaldeten Gebieten Indiens, d.h. verstreut in Bengalen, Bihar und Orissa. ADI heißt erst und VASI heißt Einwohner – also Ureinwohner.
 
Die Bräuche und Riten, das Leben und der Glaube der Ureinwohner waren und sind den Gesetzen der Natur unterworfen. Sie sprechen eine eigene Sprache, kennen keine Schrift, sie heiraten nur untereinander und üben ihre eigene Naturreligion aus.
 
Fast alle Männer, falls nicht in die Städte abgewandert, arbeiten auf den Feldern als Tagelöhner oder verdingen sich als Rikshafahrer oder als Knechte auf den wohlhabenden Bauernhöfen der umliegenden Hindu-Dörfer. Die Frauen helfen entweder bei gleicher Arbeit und weniger Entlohnung auf den Feldern mit oder sie verrichten in den Ziegeleien und auf den Baustellen harte, knochenbrechende Arbeit, die eigentlich Männersache ist – und dieses wiederum zu einem niedrigeren Lohn als die Männer ihn erhalten.
 
Abends müssen sie dann noch die Hausarbeit verrichten, d.h. in diesem Fall Wasser holen aus einem Teich oder Fluß, Brennholz sammeln, kochen. Mit 35 Jahren sind sie meistens verbraucht. Sie heiraten früh und es wird nicht für notwendig gehalten, sie zur Schule zu schicken. Und dabei ist erwiesen, dass allein Schulbildung junge Menschen davon abhält, sehr früh zu heiraten und in jungen Jahren viele, meistens sehr viele Kinder zu bekommen.
 
Das Leben der Adivasi ist bedroht von Krankheit und Armut. Viele Menschen leiden an Lungen-Tuberkulose. Mangelnde Hygiene ruft langwierige Magenleiden und Hautkrankheiten hervor. Sie sind zu lethargisch und arm, um sich gegen Krankheit zu wehren. Weite Wege zu Gesundheitszentren halten sie außerdem von einer Behandlung ab, zudem haben sie auch nicht das Geld für eine Behandlung oder Medikamente.
 
Da die Eltern meistens tagsüber als Tagelöhner arbeiten, sind ihre Kinder sich selbst überlassen. Nackt oder in Lumpen stromern sie umher, neugierig beobachtend, oft mit ihren kleinen Geschwistern auf der Hüfte.
 
Die Kosten für einen Schulbesuch können ihre Eltern nicht bezahlen: Schulgeld, Aufnahmegebühr, Lern- und Beförderungsmittel, Schulkleidung u.a.m.
 
 
 
Modellschulen sollen armen Kindern eine Chance geben:
Modelschulcharakter?
 
-         Schulen für Menschen, die in der indischen Gesellschaft isoliert und unbeachtet sind.
-         Schulen, die ein Herauskommen aus der Jetzt-Situation und ein Hineinwachsen in ein menschenwürdiges und eigenständiges Leben möglich macht,
-         Schulen, die solche Lerninhalte vermitteln, die an die Lebenserfahrung der Kinder anknüpfen,
-         Schulen, die Fertigkeiten ermitteln und erwerben lassen
-         Schulen, die Fähigkeiten entwickeln und fördern
-         Schulen, die Kreativität weckt und ihr zu ihrem Ausdruck verhilft,
-         Schulen die zu selbständigem Denken und Tun auffordert und ermutigt,
-         Schulen, die den einzelnen befähigt, Verantwortung zu übernehmen
-         Schulen, in der Kinder von Adivasi, Kastenlosen und Kastenindern gemeinsam lernen und sich gegenseitig achten.
 
 
Kleine Chronik zur Entwicklung der Modellschulen und Krankenhaus
 
Golap C.Pradhan kam 1963 nach Deutschland, hat hier studiert und nach seinem Studium einige Jahre als Diplom-Ingenieur in Deutschland gearbeitet. Während seiner Studienzeit in Deutschland und bis zu seinem Tod war Golap Pradhan eng mit der deutschen Pädagogin Frau Hedwig Holz und ihrer Familie verbunden.
 
1987 haben Golap Pradhan und Hedwig Holz den Grundgedanken gefasst, für Adivasi-Kinder in Orissa eine Schule zu bauen.
 
1988 konnte in einem kleinen Schulgebäude (mit Stroh gedeckt) für 63 Kinder und 4 Lehrerinnen der Unterricht dank deutscher Hilfe beginnen.
 
1990 wurde diese erste Model School mit Hilfe von privaten Spenden vergrößert, und erhielt 1996 offiziell die Anerkennung als High School.
 
In dieser ersten Model School werden Kinder vom Kindergarten bis zur 10. Klasse High School unterrichtet.
 
Da jedoch aus weiter entlegenen Adivasi-Siedlungen die Kinder nicht zur Model School kommen konnten, wurde die erste sogenannte Feeder Model School inmitten einer Adivasi-Siedlung gebaut – eine weitere folgte. Diese Feeder Schools haben die Klassen 1-7.
 
2005 wurden 4 sogenannte Nursery Schools in sehr abseits gelegenen Adivasi-Dörfern eingeweiht, das sind Schulen ähnlich unserer Grundschule 1. und 2. Klasse. Eine fünfte Nursery School wurde Anfang Februar 2006 geöffnet, eine weitere soll Anfang Januar 2007 fertig werden.
 
Diese schlichten Schulen verfolgen die Absicht, den Kindern in heimischer Umgebung, anknüpfend an ihre Erfahrungen aus dem Alltag, auf unkonventionelle Art, mit einfachen Mitteln und Methoden Grundwissen zu vermitteln – z.B. den eigenen Namen schreiben sowie zählen zu können, um beim Handeln oder Einkaufen nicht betrogen zu werden, oder auch um Warnschilder lesen zu können.
 
Ferner wird in diesen kleinen Schulen eine bescheidene Mahlzeit gereicht, so dass die Kinder versorgt sind. Somit brauchen die Kinder nicht als Tagelöhner für einen Mindestlohn zu arbeiten. Mit diesem Schulmodell können Schuldknechtschaft und Kinderarbeit verhindert werden. Mütter werden jetzt kein Kind mehr für etwa 10 Euro verkaufen, das dann in einer Fabrik oder einem Steinbruch arbeiten muß, wo das einzige Spielzeug das Werkzeug ist.
 
Schuldknechtschaft ist eine besonders schlimme Form der Ausbeutung. Dabei geraten Arme durch Aufnahme von Schulden in eine lebenslange Abhängigkeit von Geldverleihern, während der sie – und oft die ganze Familie – diese Schulden abarbeiten müssen. Dieses gelingt ihnen meistens nicht und so wird die Schuld oft sogar auf Kinder und Kindeskinder vererbt. Diese Form der Ausbeutung wurde zwar bereits durch die indische Gesetzgebung verboten, jedoch immer noch leben einige Millionen Menschen als Schuldknechte. Man schätzt, dass fast 44 Millionen Kinder in Indien als Lohnabhängige arbeiten, zum Teil in gesundheitsgefährdeten Bereichen wie z.B. Steinbrüchen, Edelsteinschleifereien, der Feuerwerksindustrie und den Teppichknüpfereien.
 
Die Unternehmer in Indien bevorzugen die billigen, leicht einzuschüchternden Kinder, und die armen Eltern sind gezwungen, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken, um nicht zu verhungern. So gibt es in Indien die paradoxe Situation, dass Millionen Erwachsene verzweifelt eine Arbeit suchen, während Kinder leicht eine Arbeit finden.
 
 
Krankenhaus für die Armen
 
Im Jahr 1998 begann Golap Pradhan mit dem Bau eines Krankenhauses in der Nähe der Feeder School in Duburi Dieses war ein sehr schwieriges Projekt. Aber Anfang Feb ruar 2006 wurden die Türen des Krankenhauses für eine erst einmal sehr, sehr einfache ambulante Behandlung für die Armen aus der Umgebung des Hospitals geöffnet. Die Registration des Krankenhauses auf den Namen HOLZ MEMORIAL HOSPITAL FOR POOR hat genau 12 Monate gedauert. Da noch keinerlei medizinische Geräte zur Verfügung stehen, ist auch für das Krankenhaus jede Spende willkommen.
 
 
Wer betreut das Projekt?
 
Der Projektleider in Indien ist Sarat Pradhan. Die offizielle Vertretung in Deutschland hatte Hedwig Holz. Da Frau Holz im März 2008 verstorben ist, hat Gerlinde Dombrowski aus Oelde die Nachfolge übernommen. Frau Dombrowski fährt jedes Jahr mindestens einmal nach Indien, um sich vor Ort nach dem Fortgang aller Arbeiten zu erkundigen.
 
 
Patenschaftsprojekt
 
Mit einer Patenschaft wird ein Kind auf seinem Weg in eine bessere Zukunft begleitet. Seine Ernährung, Bekleidung, medizinische Betreuung und Ausbildung wird unterstützt.
 
Auch das Umfeld des Patenkindes wird sich dank Ihrer Hilfe zum Guten verändern, denn unsere Hilfsmaßnahmen verbessern die allgemeinen Lebensumstände aller Menschen im Projekt.
 
Ansprechpartner für das Patenschaftsprojekt sind:
 
Gerlinde Dombrowski, Oelde            Tel. 02522 -  4411
Elfie Heßmer, Soest,                     Tel. 02921 - 16942
Ulrich Schipporeit, Soest,             Tel. 02921 - 15845